Das neue Jahr fängt gerade erst an, die Eindrücke der Feiertage sind noch lebendig in unseren Köpfen und die K29 hat am 14. Januar schon wieder einen Gerichtstermin.
Diesmal will der berliner Eigentümer die Modernisierung des Gebäudes und damit Explosion der Mietkosten per Gerichtsbeschluss durchdrücken. Die 13 Herzensmenschen, ein kleines Kind und der alte Kater könnten sich die Miete dann bald nicht mehr leisten.
Das Haus wäre außerdem nicht mehr gemeinschaftswohntauglich, da die vorgesehenen Veränderungen des Vermieters sich bereits im Sinne der Vermietung an einzelne Mietparteien orientieren.
Das K-fest, viele kleine Kulturveranstaltungen und nicht zuletzt ein gemeinsamer Raum für wache und solidarische Menschen wären damit gestorben. Im schlimmsten Falle sitzt die K29 in ein paar Wochen auf der Straße. Auch ohne eine weltweite Pandemie sind das fürchterliche Aussichten.
Ein alter Kater ist dienstältester Mitbewohner und würde mit verdrängt #katzenliebe #cathusalem
Aber wir lassen uns unsere Freiräume nicht kampflos wegnehmen.
Am Freitag den 14.01.2022 um 10:30 gehen wir gemeinsam zum Altmarkt um auf unsere Situation und das Problem der Verdrängung aufmerksam zu machen. Wir wollen zeigen, dass gemeinschaftliches Wohnen und (Jugend)subkultur in Cottbus keine Spekulationsobjekte sein dürfen.
Ps.: Auch die K29 hat keinen Bock auf Corona und das werden wir nur gemeinsam los! Daher nehmt Masken mit, haltet etwas Abstand und passt aufeinander auf
Wir leben in Wohngemeinschaften, WG-Häusern und Hausprojekten rund um die Innenstadt von Cottbus. Wir sind jung und gestalten diese Stadt mit. Wir machen Cottbus bunt, doch unsere gelebte Nachbarschaft ist aktuell so bedroht wie nie!
Gentrifizierung und die Umwandlung von kommunalen Mietwohnungen in Einzeleigentum zerstört unsere seit Jahrzehnten gewachsene Vielfalt. Die letzten unsanierten Altbauten wurden privatisiert und sind jetzt zu Spekulationsobjekten von Investor*innen geworden. Projekte wie die #K29 #K28 #WK51 #DachschadenWG wurden und werden aktuell entmietet.
Für die schnelle Rendite für die Eigentümer werden unsere Gemeinschaften zerstört, deren Wert sich oft nur schwer in Geld ausdrücken lässt. Gerade für junge und engagierte Menschen sind es diese Häuser, die das Leben in Cottbus lebenswert machen und sie auch nach dem Studium oder der Ausbildung in der Stadt halten.
Im Fall der #K29bleibt hat sich die Stadtverordnetenversammlung am 21.06.2019 mit breiter Mehrheit für den Erhalt und eine Vermittlung zwischen Eigentümer und Hausgemeinschaft ausgesprochen, doch die Verwaltung setzt diesen Beschluss nicht um. Im Gegenteil: sie überzieht die Bewohner*innen sogar mit neuen Auflagen und Strafgeldern im Sinne des Eigentümers.
Andere Städte sind hier schon viel weiter: mit dem Vorkaufsrecht, Milieuschutz, Konzeptvergabeverfahren von Immobilien und Grundstücken, festen Ansprechpersonen in der Verwaltung und geförderter Beratung für Wohngemeinschaften wird aktiv die Vielfalt auf dem Wohnungsmarkt gefördert.
Lasst uns zeigen wie bunt und gemeinschaftlich Cottbus immer sein sollte! Dekoriert euch und eure Fahrräder und seid am 22. Mai dabei! Meldet euch gerne, wenn ihr Ideen habt, wie ihr diese oder zukünftige Aktionen noch unterstützen könnt!
Wir fordern von der Kommunalpolitik in Cottbus:
Im Fall der K29:
• Als Umsetzung des Beschlusses der Stadtverordnetenversammlung: Sofort einen runden Tisch mit Eigentümer, Bewohner*innen und Vertreter*innen der Stadtverwaltung und Stadtpolitik einzurichten, der das Ziel verfolgt den Bewohner*innen eine langfristige Perspektive zu sichern.
• Die GWC zu beauftragen, den Eigentümern proaktiv ein Kaufangebot zu einem angemessenen Preis oder ein Tauschangebot für ein gleichwertiges Haus zu machen.
Generell:
• Gemeinschaftliche Wohnformen als schützenswertes Gut für die Stadtgesellschaft anzuerkennen und in der kommunalen Wohnungs- und Stadtplanung zu berücksichtigen und damit zur Vielfalt an Wohnmöglichkeiten in der Stadt beizutragen.
• Die Möglichkeiten zu Nutzen zum Erhalt Gemeinschaftlicher Wohnformen beizutragen und neuen Wohnraum für Gemeinschaftliches Wohnen zur schaffen. Die GWC, die EG-Wohnen oder auch das Studierendenwerk sollen hier mit ins Boot geholt werden.
Der Konflikt der K29 mit dem neuen Eigentümer des Gebäudes, dem Zuhause von 13 Menschen und einem alten Kater, geht in die nächste Runde.
Unterstützer*innen der K29 bei einer Kundgebung im Juni
Seit über 30 Jahren machen die Bewohner*innen der Karlstraße 29 den schmellwitzer Kiez mit ihren Veranstaltungen bunter und lebendiger. Das fabulöse Karlstraßenfest ist stadtbekannt. Zum vergangenen Gerichtstermin schien es, als erkenne das mittlerweile auch der neue Eigentümer. Der Berliner Investor plant das Haus zu modernisieren und viel teurer weiter zu vermieten. Das wäre das Ende der K29. Die Bewohner*innen machten auf ihre Lage aufmerksam: als Reaktion regnete es Kündigungen. Im Juni, zum ersten Gerichtstermin, stimmte der neue Vermieter im Landgericht jedoch überraschend einer gütlichen Einigung außerhalb des Gerichtes zu. Neue Hoffnung für die Hausgemeinschaft. Die Beteiligten planten sich zu Verhandlungen zu treffen. Die ruhen im Moment. Trotz Drängen der Bewohner*innen konnte nur ein einziger Termin stattfinden. Mit mäßigem Ergebnis. Der Berliner Investor legte lediglich seine Vorstellung eines Mietvertrages vor. Es konnte keine Einigung gefunden werden, die den Fortbestand des Projektes in irgendeiner Weise zur Folge hätte. Das bedeutet: es geht erneut vor Gericht.
Verhandlungen bisher ohne nachhaltige Perspektive- Termin vor dem Landgericht am 31.07.2020.
„Uns geht es hier nicht einfach darum, unser Studium zu beenden und dann war`s das. Unser Ziel bleibt die nachhaltige Sicherung des Projektes, das Bewahren von 30 Jahren studentischer Kultur- und Kiezarbeit für die Zukunft.“ sagt Ines, eine der Bewohner*innen. Nun wird am 31.07.2020 ein weiterer Termin vor dem Landgericht stattfinden. Dazu rufen die Karli*tas erneut ihre Unterstützer*innen auf.
Freitag 31.07.2020 9:00 Uhr Scheckübergabe vor dem Gericht
Zu Musik, Redebeiträgen und gemeinsamer Kunstaktion wird deshalb auch der Berliner Immobilienhändler eingeladen:
„Der bisherige Verhandlungsprozess hat uns etwas wichtiges gezeigt: Ein Hauskauf ist der einzige Weg, die K29 für die Zukunft zu sichern. Wir haben ein solides Finanzierungskonzept und jede Menge Zusagen für Direktkredite.“ sagt die Bewohnerin weiterhin, die in Berlin studiert, aber vor allem wegen der Wohngemeinschaft lieber in Cottbus bleibt. „Deshalb laden wir den Eigentümer sehr herzlich zur symbolischen Scheckübergabe vor dem Landgericht ein.“
Nimmt der Eigentümer das Angebot an, wäre das die Rettung der K29.
Dazu wird es Musik, Redebeiträge, Kaffee und Kuchen, eine Kunstaktion und die feierliche Scheckübergabe geben. Start ist 9:00 vor dem Landgericht.
Kundgebung im Juni, vor dem Landgericht
Auch zum vorangegangene Termin organisierten die wehrhaften Mieter*innen gemeinsam mit Unterstützer*innen zwei Kundgebungen mit Demo und Kunstaktion im eigens aufs Kopfsteinpflaster getragenen Wohnzimmer. Bei sehr angenehmer Atmosphäre, selbst mitgebrachtem Frühstück und interessanten Redebeiträgen wurde klar: Die K29 muss bleiben! Viele tolle Menschen demonstrierten, dass endlich eine langfristige Perspektive für das studentische Wohn-, Kultur- und Kiezprojekt geschaffen werden muss, damit die #k29bleibt!
+++Start Freitag 9:00 am Gerichtsberg, Landgericht Cottbus+++
Seitdem die Karlis* öffentlich auf ihre Situation aufmerksam machten, flatterte eine Kündigung nach der anderen in den Briefkasten der Dreizehn. Eine dieser Kündigungen wird den Bewohner*innen, nach Einschätzung ihres Anwaltes, mietrechtlich sehr gefährlich. „Nun geht es endgültig um das Überleben unserer Wohngemeinschaft.“ sagt eine Bewohnerin.
Die K29 steht vor Gericht! – 19.06.2020 um 11:00
In einer der Kündigungen wird behauptet, dass der Verein, der das Haus als rechtliches Subjekt für die Bewohner*innen anmietet, einen Gewerbemietvertrag habe. Nach dem Mietrecht für Gewerbe müssten die Karlis das Haus, ihr Zuhause, zeitnah verlassen. Juristischen Laien erscheint diese Argumentation absurd. Auf dem in den 90-ern mit der GWC (damalige Eigentümerin) geschlossenen Mietvertrag steht schon in der Überschrift „Wohnraummietvertrag“. Auch wer die K29 einmal besucht erkennt schnell, dass hier von Gewerbe keine Rede sein kann.
Ihren Mangold möchten die Bewohner*innen gern noch ernten.
Die alles andere als luxuriösen, jedoch dafür umso gemütlicheren Gemeinschafträume laden zum Entspannen und Verweilen ein, sind für eine kommerzielle Nutzung jedoch völlig ungeeignet. Improvisation und DIY, Second Hand und Sperrmüll statt Neukauf. Das Essen wird geteilt. Gewerbe sieht ganz anders aus.
Nur die Gerichte sind sich hier offenbar unsicher, denn mit der Realität hat die rechtliche Lage offenbar nichts zu tun. „Da im Mietrecht nicht klar geregelt ist, wie Wohnrecht für Hausgemeinschaften geschützt werden soll, wenn es einen Verein gibt der für viele Menschen mietet, ist die Rechtslage unklar. Bisher gab es Urteile in beide Richtungen. “ sagt Ines, eine der Bewohner*innen. Reihenweise fallen seit einigen Jahren gemeinschaftliche Wohnmodelle auf diese Weise Miethaien zum Opfer. Viele Gerichte helfen dabei.
Solidarität mit der K29 – Wohnkultur statt Profite
Zahllose Beispiele, wie das der K29, lassen sich schnell finden. Aber Orte des gemeinschaftlichen und kulturellen Lebens in Cottbus wollen wir uns nicht weggentrifizieren lassen! Am Tag der Gerichtsverhandlung am 19.06.2020 ab 09:00 in unserem Wohnzimmer mitten auf dem Altmarkt, werden wir coronaverträglich (in Haushalte aufgeteilt) frühstücken. Bei der Kundgebung können außerdem bunte Häuser gebastelt werden, mit denen wir die K29 symbolisch in einer Demo bis zum Gerichtsplatz begleiten.
Denn wir brauchen Orte wie die K29 in Cottbus. Heute mehr denn je.